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4. April 2009

Vortrag von
Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler
Flurnamen, Grenzsteine und Marterl in und um Auhausen

 

 

Die Flur von Auhausen
Titel aus dem Flurplan der Gemarkung Auhausen

aus der Gemeindeflur von Auhausen:

oben: Blick auf die Gemarkung Auhausen mit ehemaligen Mönchswald; im Hintergrund die -bereits fränkische- Gemeinde Wassertrüdingen

 

links:
Titel aus dem Flurplan der Gemarkung Auhausen:
Steuer-Gemeinde Auhausen -
Kgl. Amtsgericht Oettingen
im Rezat-Kreise
(heute: Bezirk Mittelfranken!)
vom 31. Mai 1833

Wenn Steine erzählen könnten
Die Grenzsteine von Auhausen mußten ihr Geheimnis preis geben

Auhausen (RK) – Wie bei Ermittlungen zu einem Kriminalfall mußten sich die Zuhörer vorkommen, wenn Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler berichtet, „wie nach langwierigen Nachforschungen die über 500 Jahre alten Mönchssteine von Auhausen ihr sorgsam gehütetes Geheimnis preisgeben mußten“.

Im Rahmen des Jubiläumsjahres „400 Jahre Protestantische Union / 1050 Jahre Auhausen“ referierte der rührige Heimatpfleger in der Mehrzweckhalle Auhausen in einen Vortrag über „Grenzsteine, Marterl und Flurnamen in und um Auhausen“.

Auhausen als preußische Garnison
Ebenfalls dürften einige der anwesenden Gäste ins Staunen gekommen sein, als von der Existenz mehrerer königlich-preußischer Grenzsteine in der Auhauser Flur berichtet worden ist: In einem Waldstück nahe der Stelle, wo heute die drei Landkreise Ansbach, Weißenburg-Gunzenhausen und Donau-Ries zusammenstoßen, sind noch jetzt letzte Zeugen der Preußenherrschaft über das Klosterdorf Auhausen anzutreffen, welche den Übergang von der jahrhundelangen markgräflich-ansbachischen und somit fränkischen Zeit in die fürstlich-oettingische und somit in die heute schwäbische Zeit markieren sollten. Zugleich war die Gemeinde Auhausen – aus heutiger Sicht unvorstellbar – preußische Grenzgarnison, wobei das mächtige Konventgebäude, auch bekannt von der Gründung der Protestantischen Union des Jahres 1608, als Kaserne einen letzten Dienst verrichten durfte, bevor es ca. 1820 abgerissen werden sollte.

Daß sogar herausgerissene, herrenlose Grenzsteine wieder ihrem früheren Platz zugeordnet werden können, zeigte der Heimatpfleger am Beispiel eines Steins, gefunden in der Auhauser Flur, der die Inschrift „K-B-E“ trägt und als eine letzte Spur der K öniglich- B ayerische- E isenbahn, der sog. „König-Ludwig-Nord-Süd-Bahn“ gilt.

Marterl
Auch markante Marterl stehen auf Auhauser Flur. So kennt wohl jeder Einheimische und heimatkundlich Interessierte die „Kaußler-Tafel“ im ehemaligen Mönchswald, welche von einem schweren Arbeitsunfall des Jahres 1934 zeugt, bei dem Karl Kaußler aus Auhausen von einem umfallenden Holzwagen erschlagen wurde. Eine erstaunliche Randnotiz für die Zuhörer war die Tatsache, daß bereits vor 75 Jahren ein Straßenhilfsdienst herbeigerufen werden konnte, der jedoch nur noch den Tod des Verunglückten feststellen konnte.
Am 19. und 23. Februar 1934 war in der Lokal-Zeitung hierzu zu lesen:

Auhausen, 19. Febr. (Tödlicher Unfall.) Heute Nachmittag verbreitete sich in unserem Orte eine Schreckensnachricht. der etwas 49 Jahre alte Landwirt Karl Kaußler, Hs.-Nr. 55, war mit Holzfahren im fürstl. Forst beschäftigt. Auf der vereisten Straße fiel plötzlich der mit Tannenwedel beladene Wagen um und traf den Verunglückten am Kopf, wodurch ihm die linke Schläfenseite eingedrückt wurde. Der sofort herbeigerufene Straßenhilfsdienst mit Herrn Dr. Hagl konnte nur noch den Tod feststellen. Kaußler galt in der Gemeinde als strebsamer und fleißiger Mann; sein tragischer Tod erweckt in der ganzen Gemeinde tiefstes Mitgefühl.

Auhausen, 23. Febr. (Am Grabe.) Wohl selten hat unsere Gemeinde ein so großes Trauergefolge in ihren Mauern aufgenommen, als wie am Donnerstag beim Leichenbegräbnisse des auf so jähe Weise ums Leben gekommenen Landwirts K a r l K a u ß l e r.
Schon der lange Zug der Vereine zeugte von dem Ansehen und der Beliebtheit, die dem Verstorbenen in seinem allseits zuteil geworden war. Da Kaußler auch Kriegsteilnehmer war, hatten sich neben dem örtlichen Veteranen- und Kriegerverein auch die Brudervereine aus Dornstadt und Lehmingen mit ihren Fahnen eingefunden. Desgleichen war auch die Kavallerievereinigung aus Oettingen und Umgebung und die Freiw. Feuerwehr Auhausen erschienen. Den blumengeschmückten Sarg trugen sechs Feuerwehrkameraden, die wiederum von sechs Kriegskameraden begleitet worden sind. Nach den kirchlichen Gebeten und der Einsegnung durch Herrn Pfarrer Karrer legten die folgenden Vorstände Kränze am Grabe nieder: Vorstand Bickel der Freiw. Feuerwehr Auhausen, der den Verlust eines über 30 Jahre der Ortswehr angehörenden Kameraden beklagte, Vorstand Kögel für den Veteranen- und Kriegerverein Auhausen. Vorstand Prager für die Kavallerievereinigung Oettingen und Vorstand Löh für den Darlehenskassenverein. Bei allen Nachrufen kam die tiefe Trauer und der herbe Verlust voll zum Ausdruck. Mit dem vom Gesangverein Auhausen gesungenen Choral „Auferstehen wirst du“ fand der Trauerakt am offenen Grabe sein Ende, In dem sich daran angeschlossenen Gottesdienst wurde der so schwer heimgesuchten Familie reicher Trost in Gottes Wort gespendet und beim Weggang erfüllte tiefe Trauer nicht nur die Herzen der Leidtragenden, sondern vielmehr die ganze Bürgerschaft trauerte um diesen edlen Menschen, den alle Tugenden der Männlichkeit und des kameradschaftlichen Wesens schmückten. Sein Andenken wird in aller Herzen fortleben.

Flurnamen
In einem großen Themenblock hat sich Herbert Dettweiler auch mit den Flurnamen befaßt, welche „wichtige Bausteine der Heimatforschung sind, auch wenn sie keine schriftlichen Quellen ersetzen können“. „Oftmals aber bieten Flurnamen bei spärlichem Urkundenumfang einer Gemeinde doch Einblick ins dörfliche Leben vergangener Zeiten“, so der Referent.
Hierbei war ganz besonders ein Flurname hervorzuheben, der mit der Gründung des Dorfes sowie des Klosters Auhausen eng in Zusammenhang steht, jedoch zwischenzeitlich zur fränkischen Nachbargemeinde Westheim gehört: „Im Schloß“, jenem Waldstück in der „Au“, wo die „Edlen von Auhausen“ eine frühe Wasserburg als ersten Herrschaftssitz besaßen, von dort aus das Kloster begründeten und ca. 1130 mit ihrem Wegzug nach Jena/Lobdeburg letztendlich ein Symbol früher Macht in der schwäbisch-fränkischen Region aufgaben.
Die rund 1.000 ha Flur der Alt-Gemeinde Auhausen verteilen sich auf Wald, Felder und Wiesen. Ödland, Weiher und Flächen für Wohnbebauung nehmen vielleicht 100 ha davon weg. Eine historische Flurkarte der ersten Landvermessung von 1822 weist interessante und heute weitgehend vergessene Flurnamen auf, zumal spätestens die Flurbereinigung in den 1970er Jahren viele mündlich überlieferte Flurnamen hat verschwinden lassen.

Mit einem abschließenden Appell in den Raum, „der auch darüber hinaus gehört werden soll“, hat er um das wieder zu belebende „allgemeine Interesse an der eigenen Vergangenheit“ gebeten und somit „die noch bekannten Flurnamen im Sprachgebrauch wieder zu beleben“...

Bilder zum Vortrag:
Die Flur von Auhausen
das Bezirksamt Nördlingen - Auhausen "ganz oben"!
Die Flur von Auhausen
ein Zeuge „exotischer“ Vergangenheit: Das Klosterdorf Auhausen als preußischer Grenz- und Garnisonsort.
K - P - G = Königreich Preußen - Grenze
Die Flur von Auhausen
eine wahrlich historische Aufnahme:
Bau an der König-Ludwig-Nord-Süd-Bahn im Streckenabschnitt Auhausen, welche zwischen Oettingen und Gunzenhausen
am 20. August 1849 eröffnet worden ist.
Im Hintergrund der bereits fertiggestellte erste Bahnhof von Auhausen, der bis ca. 1900 in Betrieb war und seither als Wohnhaus genutzt wird
Die Flur von Auhausen
der Mönchs-Stein, welcher die umfangreichen Forschungen zur Geschichte der noch fünf bekannten über 500 Jahre alten Kulturdenkmäler und Zeugen Auhauser Vergangenheit
„ins Rollen“ gebracht hat

Die Flur von Auhausen
letzte Spuren früher Ortsgeschichte:
der noch existente Wassergraben der Schlosses in der „Au“, jenem Stammsitz der ehemaligen „Herren von Auhausen“, die ihre fränkische Heimat bereits im 12. Jahrhundert aufgaben

Die Flur von Auhausen
Blick auf das Klosterdorf Auhausen
mit (damals noch unbebauten) Kellerberg
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Die Flur von Auhausen
Ausschnitt aus der Flurkarte von 1822, auf welcher im Original noch sämtliche historische Flurnamen verzeichnet sind

Die Flur von Auhausen
Auhausen - heute im Dreiländer-Eck der Landkreise Ansbach, Donau-Ries und Weißenburg-Gunzenhausen

Die Flur von Auhausen
Blick vom Rosenbuck auf das Klosterdorf Auhausen
Die Flur von Auhausen

Die Flur von Auhausen
ein bekanntes Marterl in der Region: Die sog. „Kaußler-Tafel“ im ehemaligen Mönchswald von Auhausen

Die Flur von Auhausen
Karl Kaußler, d´r "Milch-Kaußler" (Hs.-Nr. 55)
-rechts im Bild-
Die Flur von Auhausen
K - B - E
Grenzstein der Königlich-Bayerischen-Eisenbahn

Die Flur von Auhausen
Hartmann von der Au
ein "Edler von Auhausen"

Beschriftungen der romanischen Tumba:
ALS MAN ZALT NACH CHRISTI GEPVRT 9 HVNDERT 58 IAR STARB DER EDEL VND WOLGEPORN HER HARTMANN VON LODENBVRG FREYHER STIFTER DIEZ GOCZHAVS DEM GOTT GENAD. ANNO 1 542 IST DER STEIN ERNEIERT WORTEN GOTT SEI LOB.

Im Bogen über dem Haupt:
DA LIG ICH VND RVO SCHICK DICH DV MVOST AVCH HERZVO.

Die Flur von Auhausen
eine frühe Flurkarte aus ansbachisch-onolzbachischer Zeit:
der Mönchswald von Auhausen
Die Flur von Auhausen
Flurnamen: Getreideschnitt im Kreuzles-Acker
Die Flur von Auhausen
Heuernte auf der Mönchs-Wiese
Bilder vom Vortrag-Abend:
Die Flur von Auhausen Die Flur von Auhausen
Vorbereitungen für den Vortrag-Abend
Die Flur von Auhausen
Begrüßung des Referenten
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Die Flur von Auhausen
Referent Herbert Dettweiler mit einem überaus
interessanten und spannenden Vortrag
Die Flur von Auhausen
abschließende Diskussionen mit den interessierten Zuhörern
Die Flur von Auhausen
... Warten auf die Gäste
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Die Flur von Auhausen Die Flur von Auhausen
Fachgespräche und Diskussionen allenthalben
Die Flur von Auhausen Die Flur von Auhausen
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Die Flur von Auhausen
Aufräumen...
Die Flur von Auhausen
...und "Feierabend" für die Helfer ;-)
400 Jahre Protestantische Union - 1050 Jahre Auhausen